Hier Teiele ich meine Notizen/Mein Tagebuch zu meiner Geburt 

GEBURTSBERICHT

Mutter hält ein Foto ihres Sohnes im Inkubator in den Händen. Das Kind ist an Schläuche angeschlossen und hat blaue Flecken von der Geburt

Erinnerung nach traumatischer Hausgeburt in Pfaffenhofen:
Das erste Foto von Dir

Das war das erste Foto von Dir, mein kleiner Arthur. Wir waren in der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen, als die Krankenschwestern es mir gaben. Die abgebrochene Hausgeburt war traumatisch. Nachdem ich überlebt hatte, rief ich im Schock die Hebamme an, die dich im Inkubator abtransportieren sah um sie zu fragen was passiert sei und ob es meinem Kind gut ginge. Sie sagte mir, dass du wieder ganz  gesund würdest, wenn ich nur genügend Milch pumpen würde – Muttermilch ist das a. und o.

Es war schwer, dieses Bild anzusehen. Du warst ganz grün und blau, weil es während der Geburt zu Komplikationen gekommen war und Du nach jeder Presswehe wieder reingeschoben wurdest.

Mein durch die Geburt geschädigtes Kind im Inkubator, beatmet und an Schläuche angeschlossen.

Meine erste Berührung… während Du schliefst…

Du wurdest ins Koma versetzt und zur therapeutischen Kühlung verlegt, damit dein Gehirn keinen Schaden nimmt. Doch es war zu diesem Zeitpunkt aus ärztlicher Sicht relativ klar, dass du einen schweren Schaden erlitten hattest. Nur uns war es nicht klar.

Schwangerschaftsverlauf / Planung / Geburt


In den nächsten Abschnitten erzähle ich meine Geschichte so, wie ich sie erlebt habe.

Was Du hier findest, ist die Summe all meiner Notizen, Eindrücke und meiner Recherche und all meine Notizen dazu.
Eben meine ganz persönliche Reise der Aufarbeitung über mein Geburtstrauma und dem Todesfall meines Kindes.
Mein Ziel ist es, dadurch einen Raum für neue Fragen und tieferes Verständnis zu schaffen.

A. Schwangerschaftsverlauf:

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

  • „Abgesehen von durchgängiger Übelkeit in allen Phasen der Schwangerschaft verlief meine Schwangerschaft ohne diagnostizierte Komplikationen oder Risikofaktoren. Mein Kind lag laut allen Untersuchungen durchgehend in Kopflage nach Aussage der Hebamme und auch aller Ärzte. Dies wurde regelmäßig in meinem Mutterpass bestätigt.
    – Damals war ich allerdings eine 36Jährige Erstgebärende (sprich Risikogruppe)“
B. Entscheidung für eine Hausgeburt:

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

Warum wir uns für eine Hausgeburt entschieden haben:

„Unsere Entscheidung für eine Hausgeburt wurde von mehreren Gründen beeinflusst. Wir wünschten uns eine natürliche Geburt in vertrauter Umgebung und wollten mehr Selbstbestimmung im Geburtsverlauf. Auch die Erfahrungen meiner Mutter mit einer schwierigen Klinikgeburt spielten eine Rolle.“

Die Corona-Pandemie und alternative Geburtsorte:


„Hinzu kamen meine Ängste wegen der Corona-Pandemie. Ich fürchtete eine Ansteckung im Krankenhaus, das Tragen einer Maske während der Geburt und einen möglichen Kindesentzug im Infektionsfall. Wir zogen daher auch alternative Geburtsorte in Betracht, darunter das Geburtshaus in München und in Ingolstadt. Das Geburtshaus in Ingolstadt erschien uns jedoch im Notfall zu weit entfernt, besonders bei möglichem Stau.“

Vertrauen in die Hebamme und Nähe zum Krankenhaus in Pfaffenhofen / Ilmtalklinik:


„Wir wollten uns für die Geburt Zeit nehmen und, falls alles gut verläuft, ohne Schmerzmittel gebären. Da wir in Pfaffenhofen nicht weit vom Krankenhaus wohnen, erschien uns das Risiko einer Verlegung im Notfall gering. Wir gingen zudem davon aus, dass wir jederzeit in die Klinik wechseln könnten, wenn ich es nicht mehr wollte, es kritisch würde oder die Hebamme an ihre Grenzen stoßen würde.“

Fazit:


„Die Nähe zur Ilmtalklinik in Pfaffenhofen (1,2 km) schien uns das Risiko überschaubar zu machen. Bis zum Schluss war ich offen für eine Klinikgeburt, und ich hatte mich dort vorsorglich angemeldet.“

D. Mutterpasseintragung RISIKO-Spalte + Notiz der Hebamme zur hohen Lage des Kindes (39. SSW):

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

„Der Höhenstand hat sich seit der 34SSW bis zur 39SSW – Wochenwechsel 1Tag später! Fundus am Rippenbogen nicht verändert.  Siehe Mutterpass und Aufzeichnungen im Hebammen-Protokoll. Mein Gewicht betrug in der 40SSW 66kg bei 175cm, eine vaginale Untersuchung wurde mir nie angeboten.  (und wurde erst nachdem die Nabelschnur herausgefallen ist durchgeführt)“

 

Quelle 1 –  Mutterpass:

In meinem Mutterpass wurde der Höhenstand im Gravidogramm seitens der Hebamme in der Spalte Risiko-Nrnach Katalog B dokumentiert. „Kopf BE“

Auch in den Aufzeichnungen im Hebammen-Protokoll vom 01.09.21 und 08.09.21 bestätigen den Fundus am Rippenbogen.

„Diese Eintragung entspricht auch meinen Erinnerungen.
Die Notiz der Hebamme zur hohen Lage des Kindes in der 39. SSW erlangte erst im Nachhinein, nach den Komplikationen während der Geburt, ihre volle Bedeutung.

Mein Kind hatte dadurch also nach meiner Interpretation noch den Freiraum sich zu drehen und Nabelschnur konnte vorliegen. Diese Erkenntnis kam erst später durch Recherchen und die Gutachten.“

Quelle 2 – Aufklärungsbogen und Einwilligungserklärung des Deutschen Hebammenverbandes für die Hausgeburt:

Zitat: „Ergeben sich Hinweise auf Komplikationen, so werden wir Ihnen eine weiterführende Diagnostik oder die Mitbehandlung durch eine Ärztin oder eine Klinik empfehlen.“

Zitat: “ Verlegung in eine Geburtshilfliche Klinik“ Die Häufigsten Gründe für eine Verlegung während der Geburt sind der Geburtsstillstand in der Eröffnungsphase, auffällige kindliche Herztöne, Geburtsstillstand in der Austreibungsphase und der vorzeitige Blasensprung

 

Zum Aufklärungsbogen:


Den Aufklärungsbogen kann im im Shop des Hebammenverbandes immer noch bestellt bzw eingesehen werden:
https://hebammenverband.zohocommerce.eu/products/aufkl%C3%A4rungsbogen-und-einwilligungserkl%C3%A4rung/165290000005769438. Der Aufklärungsbogen wurde Ende 2022 überarbeitet.

 

Meine Fragen:

  • „War hier bereits ein erhöhtes Risiko für einen Nabelschnurvorfall nach vorzeitigem Blasensprung erkennbar?“
  • „Und warum wurde ich nicht über dieses Risiko in Kenntnis gesetzt?“
Ein grauer Stofftier-Esel mit einem Herzfrequenz-Sensor, der im Krankenhaus Trost spendete und nun als Erinnerung im Kindergrab meines Sternenkindes liegt.

II. Der Geburtsverlauf 13.09.2021 / 40SSW:

12.09.2021 um 22:50 Uhr Vorzeitiger Blasensprung bis 13.09.21 um 3:27 Uhr Eintreffen der Hebamme

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

„12. September 2021, 22:50 Uhr:

Meine Fruchtblase ist geplatzt.

12. September 2021, 23:00 Uhr:

„Ich habe geduscht und die Hebamme kontaktiert. Sie empfahl mir, ins Bett zu gehen und auf die Wehen zu warten. Nachdem ich geföhnt hatte, ging ich ins Bett, bekam aber sofort starke Wehen.“

13. September 2021, 00:34 Uhr:

Beim zweiten Anruf bei der Hebamme teilte ich ihr mit, dass ich lieber ins Bett gehen sollte, anstatt vor dem Bett zu knien, da die Wehen im 10-Minuten-Abstand sehr stark waren.“

13. September 2021, 02:40 Uhr:

Beim dritten Anruf bei der Hebamme bat ich sie, zu kommen, da die Wehen stärker wurden. Mein Mann informierte die Hebamme darüber, dass ich befürchtete, einen Krampfanfall zu bekommen. Telefonisch gab sie meinem Mann Entwarnung, dass zu keinem Krampfanfall kommen wird. Sie empfahl mir, in die Badewanne zu steigen (sehr starke Wehen im 5-Minuten-Abstand). Ich saß in der Badewanne, bis sie kam.
Die Hebamme traf erst um 3:27 Uhr ein, also über 4 Stunden nach meinem Anruf.“

Quelle 1 – Hebammenprotokoll:

Dies deckt sich auch mit dem Hebammenprotokoll, welches ans Krankenhaus weitergegeben wurde und zu 100% mit meinen Erinnerungen.

Quelle 2 – Qualitätsbericht Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland / QUAG:

Der vorzeitige Blasensprung C60 steht mit 2.167 Fällen oder 22,1% aller Geburten (2002: 2.058

Fälle oder 21,9%) an zweiter Stelle. Diese Nennung ist im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gestiegen.“

Quelle 3 – (Abbildung unten)

AWMF 015-083 _Deutsche Gynäkologische Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft – S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin.

Punkt 7.25:  Zeitpunkt der stationären Aufnahme / Überführung in den ärztlich geleiteten Kreißsaal


 

Weitere Notiz:

  • „BEL konnte die Hebamme nach Blasensprung möglicherweise nur vermuten, ebenso das daraus resultierende Nabelschnurvorliegen. Allerdings notierte sie kurz vor Geburt u.a. 08.09.21 mehrfach den frei ballotierenden VGT welches bei einem Blasensprung ein Nabelschnurvorliegen begünstigt.“ 

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Thema Möglicher Krampfanfall – Wäre es hier nicht sinnvoll gewesen, dass die Hebamme einen Notarzt ruft und die Hausgeburt absagt?“
  • „Ist hier eine Ferndiagnose (via Telefon) ins so einer Situation überhaupt noch angebracht?“
03:25 Uhr - 05:45 Uhr Wehentätigkeit alle 3min - Kindsbewegung als stoßen

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen


„03:25 Uhr: Die Hebamme kam an und gab mir den Tipp, mich in der Wanne hinzulegen, damit die Pausen erträglicher werden. Zuvor hatte ich gesessen.  Sie meinte, dass der Kopf noch zu weit oben sei. Sie überprüfte die Herztöne aber ich wurde bislang nur über den Bauch abgetastet.“

Quelle 1: Geburtsbericht der Hebamme:

Laut dem Geburtsbericht der Hebamme entwickelte sich die Wehentätigkeit im Laufe der Zeit wie folgt:
Um 3:45 Uhr wurde eine mittelkräftige Wehentätigkeit in Abständen von ca. 3 Minuten dokumentiert, zusammen mit guten Kindsbewegungen.
Um 4:15 Uhr wurden bereits heftige Wehen in gleichen Abständen notiert.
Um 4:45 Uhr beschrieb die Hebamme die Wehentätigkeit als „knifflig“ mit Abständen von 2-3 Minuten.

„Dies deckt sich mit meinen Erinnerungen.“

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

„5:20 Uhr – 05:45 Uhr: Die Hebamme lässt mich alleine und isst eine Pizza in der Küche.“

„5:45 Uhr: Hatte seither keine richtige Wehenpause sondern bislang alle 3 Minuten Ich wies die Hebamme darauf hin, dass sich die Art der Wehe veränderte und nun anders anfühlte.  Meine Vermutung, dass es sich um Presswehen handelte, wurde von der Hebamme bestätigt.
Auf meine Frage, was auf den Muttermund schlägt, erhielt ich keine Antwort. Ich fragte erneut, ob sie sich sicher sei, und sie antwortete, dass alles in Ordnung sei. Die Hebamme sah sich meinen Bauch an und sagte erneut, dass der Kopf noch nicht tief genug liege. Ich äußerte erneut meine Bedenken, da ich Schläge verspürte, die die Wehen auslösten. Ich erhielt wiederholt Tipps zur Atmung.“

Quelle 1:Geburtsbericht der Hebamme:

„Laut dem Geburtsbericht der Hebamme wurdenum 5:15 Uhr „knifflige“ Wehen in Abständen von ca. 3 Minuten dokumentiert.

Um 5:45 Uhr, also nur eine halbe Stunde später, wurden weiterhin „knifflige“ Wehen in gleichen Abständen notiert, jedoch zusätzlich auch „gute Kindsbewegungen“, beschrieben als „Al’s stoßen“.

Dies deckt sich mit meinen Erinnerungen.“

Notiz: 

  • „Arthur hat mit den Füßen gestrampelt/getreten und deswegen hatte ich  in so kurzen Abständen wehen und schon bald erschöpft. Mein Mann war seit anbeginn bei mir… das war so nicht mein Plan für diese Geburt. Ich wollte nicht, dass er dabei ist, aber nun war ich doch froh, dass er da war.

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Hätten die ständigen Wehen sie nicht stutzig machen müssen?“
  • „„Knifflig“: Die Verwendung des Wortes „knifflig“ ist interpretationsbedürftig. Es ist wichtig zu hinterfragen, was die Hebamme genau damit gemeint hat. Möglicherweise deutet es auf Komplikationen oder Schwierigkeiten im Geburtsverlauf hin? Das wird im Geburtsbericht der Hebamme nicht weiter erläutert.“
! 06:16 Uhr: Presswehen - fragliche Kindslage - Wunsch in die Klinik zu gehen - Abwesenheit der Hebamme

Meine Notizen zur Geburt / Hausgeburt in Pfaffenhofen
Mein Geburtsbericht

„06:16 Uhr: Die Hebamme sagte, das Kind liege immer noch nicht tief genug und aber -> alle seien erschöpft auch sie selbst, und ich solle meine Kräfte sparen und ins Bett gehen. Sie würde sich nun zurückziehen und mich alleine lassen.
Meine Presswehen nam sie irgendwie nicht ernst.
Und Ja, ich war tatsächlich sehr erschöpft von den ständigen Wehen und konnte nicht mehr, daher fragte ich ob wir nicht lieber in die Klinik gehen sollten.Die Hebamme verneinte und sagte, alles sei in Ordnung. Sie gab mir einen Hirteltäscheltee.

06:26 Die Hebamme brachte mich in einer Wehenpause ins Bett mit dem Hinweis, seitlich zu liegen und die Beine zu schließen. Ich äußerte beim verlassen der Badewanne erneut die Befürchtung eines Krampfanfalls und fragte, ob ich nicht lieber ins Krankenhaus gehen sollte. Auf das Thema Presswehen ging sie ebenso nicht mehr ein.

06:45: Mein Mann bereitete der Hebamme das Gästebett im Erdgeschoss vor und informierte meine Mutter über den Stand der Dinge, nachdem ich nicht ins Krankenhaus durfte motivierte er mich durchzuhalten. Er hatte noch vollstes Vertrauen in die Hebamme. Danach legte sich zu mir und schlief vor Erschöpfung ein. (Er war erschöpft, weil ich ständig geschrien hatte und ihn brauchte… eigentlich wollte ich gar nicht, dass er dabei war, aber mit so einer Hilflosigkeit habe ich nicht gerechnet. Im endefekt war ich froh, dass er bei mir war)
Während ihrer Abwesenheit: Ich konnte nicht schlafen und hatte nun eindeutig Presswehen, die mit einer längeren Pause einhergingen. Sie machte uns nämlich das Licht auch und die Pausen wurden auch dadurch länger, vermutete ich.“

Quelle 1: Geburtsbericht der Hebamme:

Laut dem Geburtsbericht der Hebamme gab ich um 6:16 Uhr an, dass der Schmerz mich verändert habe. Es wurde eine Untersuchung in Rückenlage in der Badewanne durchgeführt. Dabei wurde der vorangehende Teil (VGT) als „Kopf↑BE (Beckenende), fraglich“ notiert. Später wurde am 16.09.2021 ergänzt, dass dies nicht über die Bauchdecke zu tasten war. Die Hebamme notierte außerdem, dass ich sehr angespannt war und sie kaum weitere Befunde erheben konnte.
Um 6:26 Uhr erfolgte laut Protokoll der Umzug ins Bett. Die Hebamme notierte meine Frustration über die Situation und den Hinweis auf Hirtentascheltee.
Um 6:45 Uhr wurde im Protokoll vermerkt, dass sie schlafen sollte (im Gästezimmer).


„Diese Feststellungen decken sich ebenso mit meiner Erinnerung an die Situation zu diesen Zeitpunkten.“

Quelle 2: Übergabeprotokoll:

Laut dem Übergabeprotokoll der Hebamme an das Krankenhaus wurde um6:16 Uhr notiert:ΘMGL, DA FRAU S. NICHT KOOPERIERT, VGT ↑ BE ÜBER BAUCH ZU TASTEN. „ΘMGL“ steht vermutlich für „keine Möglichkeit“. Dies bedeutet, dass die Hebamme aufgrund mangelnder Kooperation meinerseits keine vaginale Untersuchung durchführen konnte. „VGT ↑ BE“ bedeutet, dass der vorangehende Teil (also der Kopf meines Babys) oberhalb des Beckeneingangs zu tasten. Dies wurde, wie auch im Geburtsbericht vermerkt, über die Bauchdecke getastet. Interpretation: Dies unterstützt aus meiner Sicht, meine Aussage damals zu ihr, dass ich ins Krankenhaus wollte, weil ich nicht mehr konnte…  Weiterhin wurde im Übergabeprotokoll ihreKONTINUIERLICHE ANWESENHEIT DER HEBAMME SEIT 13.09.2021 03:27Uhrdokumentiert. Dies würde bedeuten, dass die Hebamme seit ihrer Ankunft um 3:27 Uhr durchgehend anwesend war.

„Dies deckt sich nicht mit meinen Erinnerungen und auch nicht mit ihren Aufzeichnungen in ihrem Geburtsbericht.“

Quelle 3: AWMF 015-083 _Deutsche Gynäkologische Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft – S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin / 7.2.3.2 Klinische Untersuchung

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Quelle 4:  Qualitätsbericht Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland:

Dem Risikokatalog C ist ein zusätzliches Merkmal E 100 Auf Wunsch der Mutter hinzugefügt worden (2003: 64 Nennungen, 2002: 73 Nennungen). Eine subpartale Verlegung auf Wunsch der Mutter wird in der Regel in den Fällen dokumentiert, in denen die Frau eine medikamentöse Schmerzausschaltung – etwa in Form einer Periduralanästhesie – wünscht oder eine Umentscheidung des Geburtsortes für sich vornimmt.“

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Wenn eine Patientin aus der Sicht der Hebamme nicht mehr kooperiert (aufgrund Wehensturm, Schmerzen, Erschöpfung etc.) und diese möglicherweise auch deshalb den Überblick über die Kindslage verliert, 06:16Uhr „…vorangegangener Teil Kopf↑BE fraglich…“ wird dann nicht der Notarzt gerufen? Handlungsbedarf?“
  • „Warum hat sie mich trotz diese ungewissheit mit meinen Presswehen 2 Stunden alleine gelassen?“
  • „Müsste die Kindslage / fetale Lage nicht zuallererst bewertet werden, sprich spätestens nach Eintreffen der Hebamme oder gleich nach vorzeitigem Blasensprung?“
  • „Es gab keinerlei vaginale oder rektale Untersuchung zur Überprüfung der Kindslage,-> Wäre dies nicht angebracht gewesen?“
  • „Warum gab sie mir bei dieser enormen Wehentätigkeit zusätzlich einen wehenfördernden Hirteltäscheltee?“

 

9:00 Uhr: Presswehen - Versuchter Einlauf - Geöffneter MM - Alleine

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

„9:00 Uhr: Die Hebamme kam, da ich weiter das Haus zusammengeschrien hatte wieder in mein Zimmer, und fragte, warum ich nicht geschlafen hatte. Ich konnte ihr erst gar nichts sagen, da durch das grelle Licht die Wehen gleich wieder einsetzten. Ich informierte sie wieder dass ich Presswehen habe. Sie meinte allerdings, dass sich optisch noch nichts an meinem Bauch getan hatte. Er sei immer noch so weit oben, es sei aber alles in Ordnung. Die Hebamme überprüfte die Herztöne, die noch bei 140/Min lagen. Sie empfahl mir, den Pressdrang mittels Einlauf entgegenzuwirken.

Ich informierte sie, dass mein letzter Einlauf um 19 Uhr am Vortag  war und ich kein Abendessen, sondern nur ein paar Nüsse zu mir genommen hatte. Die Hebamme empfahl mir trotzdem einen Einlauf und begleitete mich erneut ins Badezimmer. Sie ging raus, schloss die Türe damit ich diesen Einlauf machen konnte. Und nein ich wollte nicht alleine sein. Traute mich nicht auf die Toilette zu setzen, weil ich befürchtete, das Kind würde durch mein Pressen „herausfallen“. Ich konnte das Einlaufröhrchen nicht mehr einführen. Ich informierte sie durch die Badezimmertür darüber. Ich tastete meinen Po ab, warum ich das Röhrchen nicht einführen konnte, und informierte sie auch darüber, dass etwas den Darmausgang verschloss. Sie kam kurz herein und fragte mich, ob es sich wohl anfühle wie ein Knie. Diese Frage konnte ich beim besten Willen nicht beantworten. Ihr Kommentar war nur: „Mei, da seh ich bei dir nur Hämorrhoiden am Po.“ Sie selbst tastete mich nicht ab.
Sie ging also wieder raus und schloss die Türe.

Die Hebamme empfahl mir durch die Türe nun doch, endlich auf die Toilette zu gehen. Ich äußerte meine Bedenken, dass man das doch eigentlich nicht machen sollte und blieb am Boden sitzen. Die Hebamme meinte, wenn ich nun fertig wäre, solle ich mich abputzen und wieder zu Bett gehen.“

Quelle 1: Geburtsbericht Hebamme:

Laut dem Geburtsbericht der Hebamme wurde um 9:00 Uhr notiert, dass der Kopf meines Babys Leopold noch oberhalb des Beckeneingangs lag und beweglich war. Die Hebamme schlug mir daraufhin vor, einen Einlauf zu machen. Später, am 16.09., wurde diese Notiz mit dem Hinweis ergänzt, dass ich zu diesem Zeitpunkt starken Druck auf den After verspürte. Diese Feststellungen decken sich mit meiner Erinnerung an die Situation zu diesem Zeitpunkt.

Um 9:10 Uhr wurde laut Protokoll vermerkt, dass es mir nicht möglich war, den Einlauf durchzuführen, da das Wasser nicht in den Darm gelangen konnte. Daraufhin versuchte ich laut Protokoll, alleine im Bad Stuhlgang zu haben. Diese Feststellungen decken sich mit meiner Erinnerung an die Situation zu diesem Zeitpunkt.

Um 9:15 Uhr wurde laut dem Geburtsbericht der Hebamme notiert, dass ich alleine sein wollte.

„Diese Feststellung deckt sich nicht mit meiner Erinnerung an die Situation zu diesem Zeitpunkt, denn ich wollte nicht alleine sein.“

Notiz:

„Gem. ihren Aufzeichnungen, dachte sie möglicherweise doch wieder, dass der Kopf unten sei aber immer noch „beweglich“.
Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass mein Muttermund bereits bei über 10cm weit offen war und somit vollkommen eröffnet. Erstastet hat sie das vorab nicht/nie.
Und ich musste mich selbst am Po abtasten.“

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Sinnhaftigkeit eines Einlaufs, während der Presswehen seit 05:20 mit mittlerweile vollständig geöffnetem Muttermund?“
  • „Auch jetzt wurde ich nicht vaginal abgetastet, warum?“
  • „Einen Einlauf macht man eigentlich nur, um die Wehen anzuregen, oder?“
09:30 - 09:33 Nabelschnurrückverlagerung

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

„9:30 Uhr: Ich stand also wieder auf, sah nach unten und schrie ihr, sie solle reinkommen, da ist etwas herausgekommen, was ich nicht weiß, was es ist. Die Hebamme war sichtlich entsetzt und informierte mich darüber, dass es sich um die Nabelschnur handle und ich mich sofort hinlegen sollte. Ich legte mich auf ein Polster im Bad. Die Hebamme rief meinen Mann herbei, damit meine Beine über seinen Schultern gelagert werden konnten. Die Hebamme drückte die Nabelschnur (inkl. Bein) zurück.

Die Hebamme informierte den Notruf. Der Notruf zögerte zuerst, wie schnell er wohl da sein kann. Sie beharrte allerdings und sagte, es handle sich um einen echten Notfall, und wurde vom Notarzt nach dem genauen Werdegang gefragt. Sie meinte, das sei jetzt nicht so relevant, es müsste jemand kommen, und in Pfaffenhofen müsse der Not-OP vorbereitet werden. Nach einigem Hin und Her erkannte der Notarzt die Brisanz und meinte, er komme. Zum ersten Mal war nun die Rede von einer Beckenendlage. Am Telefon sagte sie war dies nicht erkennbar, weil ich „ständig“ Wehen hatte.  Ich war entsetzt… und fassungslos… geschockt.“

 

09:36 Uhr: Der Krankenwagen kommt. (Belegt durch Kameraaufzeichung)
09:46 Uhr: Der Notarzt kommt. (Belegt durch Kameraaufzeichung)
09:49 Uhr: Abtransport. (Belegt durch Kameraaufzeichung)
10:04 Uhr: Arthurs Geburt erfolgt im Kreiskrankenhaus Pfaffenhofen.

Quelle 1: Geburtsbericht Hebamme:

Laut dem Geburtsbericht der Hebamme sagte ich um 9:25 Uhr, dass der Kopf meines Babys bereits drückte. Beim Aufstehen und Umdrehen bemerkte ich, dass die Nabelschnur etwa vier bis fünf  Fingerbreit aus meiner Vagina heraushing. Dies wurde von der Hebamme als Nabelschnurvorfall erkannt. Sie rief meinen Mann Georg und bat ihn, mein Becken auf seinen Knien hochzulagern. Bei einer anschließenden vaginalen Untersuchung tastete die Hebamme einen Fuß, was auf eine Beckenendlage hindeutete. Sie versuchte, die Nabelschnur hochzuschieben und zurückzudrängen, was jedoch misslang. Das Kind war weiterhin hoch tastbar.

„Diese Feststellungen decken sich nicht mit meiner Erinnerung an die Situation zu diesem Zeitpunkt. Die Nabelschnur ragte wesentlich weiter heraus, fast bis zum Knie denn ich konnte sie selbst sehen. Und ich hatte ja noch einen riesen Schwanerschafts-Bauch.“

Quelle 1: Geburtsbericht Hebamme:

Um 9:28 Uhr rief die Hebamme laut Protokoll den Notruf 112 und forderte dringend einen Notarzt an.
Um 9:30 Uhr erfolgte laut Protokoll ein Telefonat mit dem Kreißsaal in Pfaffenhofen. Später, am 16.09.2021, wurde im Protokoll ergänzt, dass der Notarzt alarmiert wurde. Es wurde der Nabelschnurvorfall gemeldet.
Um 9:31 Uhr führte die Hebamme laut Protokoll erneut eine vaginale Untersuchung durch und tastete kleine Teile, die sie als Fuß identifizierte, was die Beckenendlage bestätigte.
Um etwa 9:46 Uhr gelang es der Hebamme laut Protokoll, die Nabelschnur mithilfe eines zweiten Handschuhs zurückzuschieben und am Steiß meines Babys vorbeizuführen. Kurz darauf traf der Notarzt ein.

„Diese Feststellungen decken sich wiederum mit meinen Erinnerungen.“

Quelle 2: Pschyrembel – Praktische Geburtshilfe

„Mm vollständig eröffnet: vaginaler Weg. NIEMALS REPOSITION versuchen! Bei Fußlagen: Manuelle Extraktion am Fuß vorzunehmen.“

Notizen:

„Presswehen bestanden seit 05:20Uhr alle 3min bis zum Kaiserschnitt im KH ca. 10Uhr.“

„Die Nabelschnur lag weit aus mehr wie 3-4cm vor. Konnte diese deutlich am Bauch vorbeisehen. Mein Mann ebenso. 15cm – 20cm  x 2  =  30cm-40cm!! da diese eine Schlaufe bildet.“

„Kind war gem. Geburtsbericht hoch spürbar. Der Höhenstand des Kindes war der Hebamme bis zum Schluss „ hoch““

„Diese Reposition der Nabelschnur dauerte laut dem Geburtsbericht der Hebamme ca. 21 min. bis zum Eintreten des Notarztes.“

„Mein Muttermund war laut Krankenhausbericht bei >10cm“

 

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Macht es Sinn die Nabelschnur bei geöffnetem Muttermund von 10cm inkl. Fuß wieder in das Becken der werdenden Mutter zu schieben?“
Weitere Notizen: Fehlende Untersuchungen bei mir?

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen


MATERNALE BEFUNDE WÄHREND DER GEBURT?

 

Quelle 1: Geburtsbericht Hebamme:

Laut dem Geburtsbericht der Hebamme wurde während des gesamten Geburtsverlaufs mein Blutdruck nicht gemessen.
Um 3:45 Uhr wurde mein Puls mit 60 Schlägen pro Minute dokumentiert.
Um 9:00 Uhr wurde einmalig meine Temperatur mit 36,3 °C gemessen. (Nach dem NS-Vorfall)

„Diese Feststellungen decken sich mit meiner Erinnerung.“

2. Quelle: AWMF 015-083 _Deutsche Gynäkologische Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft – S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin / 7.2.3.2 Klinische Untersuchung

 


 

 

Als Nicht-Mediziner, der sich mit Fachbüchern informierte, stelle ich mir Fragen:

  • „Gab es einen Grund mich nicht zu untersuchen?“

 

 

Notarzt und Geburt im Klinikum Pfaffenhofen - 70Tage 5Stunden und 38Minuten

Meine Notizen: Mein Geburtsbericht / Hausgeburt mit Hebamme in Pfaffenhofen

Der Kampf gegen die Zeit: Nabelschnurvorfall in Pfaffenhofen

09:46 Uhr: Der Notarzt kommt

„Kurz darauf kam der Notarzt aus Schrobenhausen. Ich wurde auf eine Vakuummatratze gelegt und die Treppe runtergetragen. Ich lag immer noch mit hochgelagertem Becken da, zwei dicke Couchkissen unter mir, und die Hebamme hielt ihre Hand in mir, um den Steiß meines Kindes hochzuschieben.

Während des Transports sagte der Notarzt plötzlich, er könne Kindsbewegungen an meinem Bauch spüren. Er änderte meine Lagerung etwas, kippte mein Becken leicht nach links, um den Druck weiter zu nehmen. Er gab mir nochmals Partusisten. Danach wurden die Wehen tatsächlich etwas schwächer und kamen nicht mehr so häufig.“

10:04 Uhr: Arthurs Geburt in der Ilmtalklinik Pfaffenhofen

Um 9:52 Uhr traf ich in der Notaufnahme der Ilmtalklinik ein. Unmittelbar danach, um 10:00 Uhr, begann der notfallmäßige Kaiserschnitt, und um 10:04 Uhr wurde mein Sohn leblos geboren. Sein Geburtsgewicht betrug 3.647 g.

Die Erstversorgung im Krankenhaus Kreißsaal Ilmtalklinik Pfaffenhofen

„Nach der Geburt und der ersten Versorgung meines Babys wurde bekannt, dass der pH-Wert aus der Nabelschnur sehr schlecht war und dass mein Baby beatmet werden musste. Seine Herzfrequenz betrug 120 Schläge pro Minute, als es zur Welt kam. Es wurde mit CPAP beatmet.

Die Apgar-Werte meines Sohnes betrugen 1 nach 1 Minute, 5 nach 5 Minuten und 2 nach 10 Minuten. Die Nabelschnurarterien-pH arteriell lag bei 7,081, der Base Excess bei -12,04 mmol/l. Mein Sohn wurde primär auf der Reanimationseinheit des Kreißsaals versorgt. Bereits um 10:01 Uhr war die Kinderklinik AMEOS Klinikum in Neuburg informiert worden. Die Versorgung im Kreißsaal vor Ort wurde durch einen Kinderarzt vorgenommen, der mein Kind zunächst maskenbeatmete. Um 10:09 Uhr betrug sein Puls 119 bpm. Die Blutgasanalyse im Alter von 10 Minuten ergab einen pH von 6,71 sowie einen Base Excess von -27 mmol/l.“

Weitere Versorgung im AMEOS Klinikum in Neuburg

„Beim Eintreffen des Kindernotarztdienstes war mein Sohn 45 Minuten alt. Seine Herzfrequenz lag bei 110 pro Minute, und die Sauerstoffsättigung betrug 82 %. Sein Hautkolorit war blass, zyanotisch und fleckig. Im weiteren Verlauf wurde mein Sohn intubiert, und bei zwischenzeitlich nicht messbarem Blutdruck wurden ihm erneut Volumengaben und Kreislaufmittel verabreicht. Anschließend wurde er in die Klinik für Kinder und Jugendliche AMEOS Klinikum St. Elisabeth in Neuburg verlegt. Während seines stationären Aufenthaltes dort zeigte mein Sohn Krampfanfälle, keine aktive Spontanmotorik und ebenso wenig Saug-, Schluck- oder Greifreflexe.“

Die Zeit zu Hause in Pfaffenhofen

„Mein Sohn wurde am 22.10.2021 aus der stationären Behandlung nach Hause entlassen. Dabei wurde eine umfassende sozialmedizinische Versorgung für zu Hause organisiert. Mein Sohn wurde von mir weiterhin zu Hause palliativ versorgt und verstarb am 22.11.2021 um 15:42 Uhr.“

Arthur war 70 Tage, 5 Stunden und 38 Minuten alt als er verstarb.

25 Jahre ELISA Familiennachsorge – Hilfe, die bleibt. Nähe, die trägt.

Seit einem Vierteljahrhundert begleitet ELISA Familien mit schwerst-, chronisch- oder krebskranken Kindern in Ingolstadt und der Region 10 – mit Herz, Fachwissen und unermüdlichem Engagement. Dieses Video nimmt Dich mit auf eine bewegende Reise durch 25 Jahre Nachsorgearbeit: Von den Anfängen im kleinen Kreis bis hin zum heutigen multiprofessionellen Team aus Pflegekräften, Sozialpädagogen, Ehrenamtlichen und vielen weiteren. Erfahre mehr über:

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Danke an alle Unterstützer, Wegbegleiter und Familien für 25 Jahre Vertrauen.

25 Jahre ELISA Familiennachsorge – Ein persönlicher Rückblick

Wenn ich heute auf die vergangenen 25 Jahre ELISA Familiennachsorge blicke, erfüllt es mich mit tiefer Dankbarkeit und Freude. Ich „durfte“ selbst die unschätzbare Unterstützung von ELISA erfahren und weiß aus erster Hand, wie wichtig diese Arbeit für Familien mit schwerst-, chronisch- und unheilbar kranken Kindern ist. ELISA ist für so viele ein wahrer Segen – nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für die gesamte Familie.

Die Arbeit von ELISA geht weit über die medizinische und pflegerische Versorgung hinaus. Sie bieten eine umfassende psychosoziale Betreuung, die den Alltag in extrem belastenden Situationen erleichtert und es Familien wie meiner ermöglicht, ein Stück Normalität und Lebensqualität für kranke Kinder zu bewahren. Von der Koordination der Pflege bis zur emotionalen Unterstützung und Trauerbegleitung – ELISA ist immer da, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Es ist ein wertvoller ambulanter Kinderhospizdienst, der sich um die Sorgen der Eltern kümmert.

Besonders freut es mich, dass die großartige Arbeit von ELISA Ingolstadt anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums in mehreren Zeitungsartikeln und weiteren Medien gewürdigt wurde.

Ich bin stolz und dankbar, dass meine eigene Geschichte und die meines Sohnes Arthur in diesen Berichten hervorgehoben werden.

Sie zeigen die wertvolle Unterstützung, die uns nach der abgebrochenen Hausgeburt in Pfaffenhofen zuteilwurde. Durch die traumatischen Umstände erlitt unser Kind schwerste Schäden, und wir brauchten deswegen dringend Hilfe. Es zeigt, wie ELISA nicht nur medizinisch, sondern vor allem menschlich eine unschätzbare Hilfe für Familien leistet.

Weitere Informationen und Berichte zu ELISA Familiennachsorge:

 

Ein Abschied voller Liebe und Schmerz

Unsere Erfahrung: Traumatische Hausgeburt mit Hebamme und häusliche Palliativpflege in Pfaffenhofen

Die letzten fünf Wochen seines Lebens durfte unser Sohn Arthur nach einer abgebrochenen Hausgeburt mit Hebamme, einem anschließenden Notkaiserschnitt und einem Krankenhausaufenthalt schließlich zu Hause in Pfaffenhofen an der Ilm verbringen. Ein gesundes Kind, das durch Komplikationen bei der Hausgeburt schwer geschädigt wurde. Die Risiken bei Hausgeburten nur mit Hebamme werden oft unterschätzt. Unsere Erfahrung zeigt, wie wichtig eine professionelle Hebammenbetreuung und medizinische Unterstützung in der Geburtshilfe sind. Vieles wäre vermeidbar gewesen, hätte man von Anfang an mehr Sorgfalt walten lassen.

Entscheidung im Krankenhaus: Lebensqualität statt Apparate

Noch im Krankenhaus trafen wir als Familie den schweren Entschluss, unserem Sohn weiteres Leid zu ersparen. Er hätte zwar länger leben können, aber auch das wäre keine sichere Perspektive gewesen. Wir entschieden uns, Arthur nach Hause zu holen, um ihm seine letzten Tage in Geborgenheit und liebevoller Fürsorge zu ermöglichen. Für mich war klar: Lebensqualität und Nähe sind wichtiger als ein Leben an Maschinen.

Vorbereitung auf die häusliche Pflege in Pfaffenhofen

Nach dieser Entscheidung wurde ich von der Klinik umfassend geschult, um die komplexe häusliche Palliativpflege in unserem Haus in Pfaffenhofen bestmöglich leisten zu können. Diese intensive Vorbereitung war essenziell, damit ich Arthur zu Hause die notwendige medizinische Versorgung und liebevolle Betreuung zukommen lassen konnte.

Herausforderungen der Palliativversorgung in Pfaffenhofen

Die gesundheitlichen Folgen der traumatischen Geburt der abgebrochenen Hausgeburt in unserem Eigenheim in Pfaffenhofen führten zu einem komplexen Behandlungsbedarf. Ich musste Arthur täglich zu zehn unterschiedlichen Uhrzeiten Medikamente verabreichen, um seine starken Schmerzen und häufigen Krampfanfälle zu lindern. Diese Anfälle dauerten oft bis zu 45 Minuten und traten bis zu dreimal täglich auf. Für uns als Familie war diese Belastung kaum zu ertragen. Die Zeit verging in einem Strudel aus Schmerz, Angst und Hilflosigkeit.

Seit seiner traumatischen Geburt erhielt Arthur seine Nahrung über eine Magensonde. Alles, was er nicht verdauen konnte, musste über einen Schlauch abgesaugt werden. Gegen Ende musste ich sogar Flüssigkeit aus seiner Lunge absaugen. Er hatte eine Lungenentzündung entwickelt, ähnlich wie damals im Krankenhaus, als wir ihn nottaufen ließen. Seine Sauerstoffsättigung verschlechterte sich, und ein Sauerstoffgerät wurde notwendig – eine weitere Belastung, über die ich ausführlich aufgeklärt wurde.

Begleitung durch das Kinderpalliativteam ELISA in Pfaffenhofen

Während der häuslichen Palliativpflege wurden wir vom erfahrenen Kinderpalliativteam ELISA begleitet. Sie sicherten nicht nur die medizinische Versorgung, sondern unterstützten uns auch mit wertvollem seelischem Beistand. Ein Physiotherapeut half zudem, unserem Sohn in dieser schweren Zeit ein Stück Lebensqualität zu erhalten. Obwohl Arthur ursprünglich gesund war, mussten wir aufgrund der Geburtsschäden auf die Kapazitäten von ELISA zurückgreifen, die eigentlich für Kinder mit angeborenen oder chronischen Erkrankungen vorgesehen sind.

Abschied und Verlust: Die letzten Stunden mit Arthur

Am 22. November 2021 erhielt ich die Nachricht von seiner Ärztin, dass ich mich noch am selben Tag von meinem Kind verabschieden müsse. Dieser Moment zerschmetterte mein Herz und stürzte uns in tiefe Verzweiflung. Während der letzten Stunden lag Arthur in meinen Armen. Meine Eltern und sein Papa waren an unserer Seite. Wir gaben ihm Nähe, Trost und Liebe, so gut wir konnten. Doch das Sterben zog sich qualvoll über viereinhalb Stunden hin. Es war unerträglich mitanzusehen, und ich schrie vor Schmerz und Verzweiflung. Die einfühlsame Unterstützung des Kinderpalliativteams gab mir in diesen schwersten Momenten die Kraft, ihn in Liebe loszulassen.

Umgang mit Schmerz, Trauer, Trauma und fehlender Unterstützung

Auch lange danach fällt es mir schwer zu begreifen, dass Arthur nicht mehr bei uns ist. Ich bin tief traumatisiert, doch ich weiß, dass wir die bestmögliche Entscheidung für ihn getroffen haben. Wir konnten ihm seine letzten Momente in Geborgenheit schenken.

In dieser schweren Zeit, in der wir mit dem Verlust unseres Kindes kämpften, hätten wir uns Unterstützung und Verständnis diser Hebamme gewünscht. Stattdessen herrschte Stille – das glich einem zusätzlichen Schlag ins Gesicht. Besonders schmerzlich war das Verhalten der verantwortlichen Hebamme, die uns während der Hausgeburt betreute. Sie hätte das Wohl unseres Kindes in den Mittelpunkt stellen müssen. Die Enttäuschung war umso größer. Es wirkte wie Heuchelei, dass genau diese Person uns in der schwersten Zeit allein ließ.

Trotz des Vertrauens, das ich dieser Hebamme entgegengebracht hatte, zeigte sie nach dem Tod unseres Sohnes weder Mitgefühl noch Anteilnahme. Stattdessen erhielten wir eine Rechnung und kein Wort des Trostes. Diese Erfahrung hat mich tief verletzt und meinen Glauben an die Geburtshilfe erschüttert. Ich frage mich bis heute, was ich übersehen habe. Warum hat sie so gehandelt oder besser gesagt, warum hat sie nicht gehandelt? Diese Fragen quälen mich. Gerade bei einer Hausgeburt, bei der eine enge und vertrauensvolle Beziehung zur Hebamme essenziell ist, hätte ich mir eine einfühlsame Begleitung gewünscht. Stattdessen blieb nur eine schmerzhafte Stille, die meinen Schmerz noch verstärkte.

Auf der Suche nach dem Sinn… 

Trauer, Trauma und der Kampf zurück ins Leben

Der Verlust von Arthur hat mein Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Die Welt scheint stillzustehen, und der Gedanke an einen Rückbildungskurs für Mütter ist unerträglich. Wie soll ich dort hingehen, inmitten von glücklichen Müttern und ihren Babys? Der Schmerz ist zu tief, die Trauer zu lähmend.

Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt: Ein unsichtbarer Kampf

Als wäre das nicht genug, steht da noch eine weitere Herausforderung vor mir: der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Während mein Körper und Geist noch in tiefer Trauer sind, wird von mir erwartet, wieder „normal“ zu funktionieren. Ich kämpfe gegen eine innere Leere und äußere Erwartungen. Mein Trauma ist unsichtbar, aber dennoch so präsent. Ich spüre jeden Tag seine Auswirkungen.

Die Welt erwartet, dass man nach dem Verlust eines Kindes so schnell wie möglich wieder „funktioniert“. Kleinigkeiten lösen Angst und Panik in mir aus. Ich fühle mich wie eine Maschine, die funktionieren muss, obwohl mein Herz gebrochen ist. Jeder Schritt nach vorne fühlt sich an, als würde ich gegen einen unsichtbaren Strom ankämpfen. Mein Trauma ist mein ständiger Begleiter. Dennoch wird erwartet, dass ich alles beiseite schiebe, um den Anforderungen der Welt gerecht zu werden. Ich befinde mich im Überlebensmodus, ein schmerzhafter Prozess, der mich an meine Grenzen bringt.

Der Sinn des Lebens in der Trauer

Gespräche mit Freunden fühlen sich auf einmal unnötig an. Ihre Sorgen zu hören, lässt mich kalt zurück. Auch Dinge, die mir einst Freude bereiteten, sind nun belanglos. Ich fühle mich wie eine leere Hülle und finde kaum mehr Sinn im Leben. Außer diesen Verlust zu begreifen und für meinen Arthur weiterzukämpfen. Ich habe es ihm versprochen, und solange ich lebe, kämpfe ich für dich. Solange ich lebe, liebe ich dich.

Gerechtigkeit als Weg zur Heilung

Statt mich dem Druck des Wiedereinstiegs zu beugen, muss ich mich um meine psychologische Betreuung und mein Seelenheil kümmern. Dazu gehört auch die Heilung meiner Beziehung. Von vielen Psychologen wurde mir gesagt, dass mir eine solche Betreuung nicht zustehe, wenn ich für Gerechtigkeit kämpfe. Doch für mich ist es der einzige Weg, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen. Wie mein Seelsorger Hans Schöffer von Anfang an sagte: Ich muss in Bewegung bleiben und selbstwirksam handeln.

Eine weitere tiefe Wunde: Der Verlust meiner Mutter

Der Verlust von Arthur hat nicht nur mich, sondern auch meine eigentlich sehr starke Mutter zutiefst erschüttert. Sie verlor den Lebenswillen und war zutiefst gebrochen. Ihre Verzweiflung war fast noch schwerer zu ertragen als mein eigener Schmerz. Es war, als hätte der Tod von Arthur eine Welle der Zerstörung durch unsere Familie geschickt. Meine Mutter verstarb kurz darauf in meinem Beisein, wie sie es sich gewünscht hatte. Ich musste lange nicht nur für mich selbst kämpfen, sondern auch für sie da sein, obwohl ich selbst kaum Kraft hatte. Meine Mutter hinterlässt eine weitere tiefe Wunde. Ich konnte um sie trauern, aber immer noch nicht um mein Kind. So tief erschüttert hat mich das.

Gemeinsam haben wir uns damals noch meinen Lieblingsfilm über die Liebe angesehen:

„Blow“ ein Film mit dem Schauspieler Johnny Depp als „George Jung“

Todesanzeige für meinen SohnArthur Schwertfirm mit Foto, Lebensdaten, Trauertext und persönlicher Botschaft.